Protest ist nicht gleich Protest

Wenn ihr euch politisch kritisch bilden wollt, dann kauft euch doch einen Spiegel oder einen Focus.

Das bekam ich vor einigen Jahren von meiner Oberstufenlehrerin empfohlen. Getreu ihrem Ratschlag, wenn auch eher durch Zufall als Absicht, habe ich mir also heute den Internetauftritt des Focus angesehen.

Hier nur eine kurze Kostprobe, wie  unabhängig die Berichterstattung ist. Man achte insbesondere darauf, wer in den Artikeln zur Rede kommt, und wem zugunsten das Vokabular gewählt ist.

Zu den nur mäßig demokratischen russischen Wahlen berichtet das Magazin:

„Die Polizei geht brutal gegen die Demonstranten in Russland vor und knüppelt die Protestler nieder. […] Das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte und die Zensur in den staatlichen Medien hielten die Oppositionellen nicht von neuen Protestaufrufen ab.“

Zu der Occupy Wallstreet Bewegung fällt den Focus Reportern hingegen folgendes ein:

Damit hatte niemand gerechnet: Mit Protestrufen und Pfiffen störten Anhänger der Occupy-Bewegung einen Vortrag von Deutsche-Bank-Chef Ackermann. Doch der ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. […] Ackermann bat die teils mit Masken verkleideten Demonstranten sogar aufs Podium und forderte sie auf, Fragen zu stellen. „Wir führen eine Diskussion, kommt hierher.“ Er lehnte es jedoch ab, ihnen Raum für eine vorbereitete Erklärung zu geben. „Etwas hinter einer Maske vorzulesen, finde ich feige.““

(meine fette Hervorhebung)

 

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2 Kommentare zu “Protest ist nicht gleich Protest

  1. harzpeter sagt:

    Ich kann mich noch relativ gut daran erinnern, als damals der „Lokus“…äääh…“Focus“ als neues Nachrichtenmagazin auf der Bildfläche erschien. In den Medien wurde er seinerzeit als „der `Spiegel´ für Konservative“ angekündigt.

  2. ..Man sollte also nicht ueberrascht sein? Wohl wahr.

    Ich gebe zu- ich war auf einer eher konservativ gesinnten Schule, und besagte Oberstufenlehrerin (in Geschichte) war auch fuer ihren Spruch „Linke und Nazis, das ist doch im Grunde das Gleiche“ beruehmt.

    Gut, dass ich niemals die drei Euro irgendwas investiert habe, um mir eine Printausgabe des Magazins zu kaufen 🙂

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