Putin, Obama und andere Helden

„I intend to leave after my death a large fund for the promotion of the peace idea, but I am skeptical as to its results.“
Alfred Nobel

Und skeptisch war er zu Recht, der gute Herr Nobel.
Die Wahl der Friedensnobelpreisträger erweckte in den letzten Jahren immer mehr den Eindruck, ein politisches Werkzeug geworden zu sein- im Falle Obamas könnte man sogar „Druckmittel“ sagen. (A propos… Was war eigentlich mit Guantanamo Bay?  Genau, ich meine jenes Stückchen von Kuba gepachteter Erde, auf dem bis heute Menschenrechtsverletzungen im Namen der amerikanischen Justiz und Terrorbekämpfung stattfinden…).

孔子和平獎 – Der Konfuzius Friedenspreis

2010 wurde der damals in China inhaftierte Aktivist Lu Xiabao („für seinen langen und gewaltfreien Kampf für die grundlegenden Menschenrechte in China“) ausgezeichnet. Es gab daraufhin weltweit Proteste fuer seine Freisetzung und gegen chinesiche Zensur. Diese wurden von China beantwortet mit mehr Zensur und… dem Konfuzius Friedenspreis – einem alternativen Friedensnobelpreis, etabliert von einer chinesischen NGO.
Was Alfred Nobel dazu sagen würde, dass über seinem Erbe heute ein derartiges politisches Gezänk stattfindet?

Dies ist kein „China ist so menschenrechtsfeindlich“-Artikel.  Ich bin nicht der Meinung, dass wir in Europa das Recht haben, uns als Vorreiter und Prediger von Menschenrechten, Freiheit und Demokratie zu sehen- dafür haben wir noch zu viel vor der eigenen Haustür zu kehren.
Dennoch – als ich heute las, wer den Konfuzius Friedenspreis 2011 bekommen soll, musste ich schlucken. Der diesjährige Preisträger hat sich gegen andere nominierte Friedenshelden wie Angela Merkel und Bill Gates durchgesetzt, er muss also ganz besonders klasse sein.

Es ist Wladimir Putin. Er wird mit dem Friedenspreis ausgezeichnet, weil er in den Krieg gezogen ist. Gegen Tschetschenien. Sicherlich war der Tschetschenienkrieg ein hartes, konsequentes Durchgreifen gegen böse Terroristen (und Rohstoffvorkommen spielten dabei keinerlei Rolle, es wurden garantiert auch kaum Unschuldige getötet und alle Menschenrechte geachtet)… eine sehr friedliche Aktion also.

Immerhin scheint sich das chinesische Kulturministerium von dem Preis zu distanzieren, es hatte bereits im September bekanntgegeben, dass der Preis nicht vergeben wuerde. Die Preisverleihung hat zum Glück auch so wenig mediale Aufmerksamkeit, wie sie verdient, und Chinesen, die ich kenne, hatten von dem Konfuziuspreis nicht einmal gehört.
Qiao Damo, Mitglied des Preiskomitees ist davon unbeirrt, und möchte die Organisation aufrechterhalten:

„Western values are not perfect and need an alternative to balance them out.“

Alternativen? Ja, sehr gerne, aber doch bitte nicht Herr Putin…

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