Georg Schramm bei Occupy Frankfurt

Viele Demonstrations-Reden dienen eher dem Ausdruck einer gemeinsamen, unzufriedenen Stimmung, als der tiefgründigen politischen Analyse.  Das ist wenigstens mein Eindruck- und liegt sicherlich in der Natur der Veranstaltung.

Ich bin erfreut, dass es die Occupy-Bewegung auch nach Deutschland geschafft hat, und war besonders beeindruckt von der Rede Georg Schramms auf der Frankfurter Occupy-Demonstration.
Georg Schramm schafft es, in unter zwanzig Minuten eine geschichtliche Analyse zu liefern, die zu dem Schluss führt, dass die heutige Finanzpolitik keineswegs so „alternativlos“ ist, wie man vorgibt. Er zeigt Parallelen zu den 30er Jahren auf und weist darauf hin, dass auch das Ermächtigungsgesetz  als „alternativlos“ bezeichnet wurde.   Um seine Argumente zu untermauern, zitiert Schramm durchgehend nicht linke Denker, sondern vielmehr harte Kapitalisten.  Er ruft (wie auch in älteren Auftritten) zu einem konstruktiven Zorn auf, und schafft es, dabei zugleich humorvoll und bissig zu sein.

„Ich betrachte mich als eine Art Marlene Dietrich- nicht optisch, aber in der Funktion.“

Besonders gefallen mir Schramms Abschlussworte: Auch für Marlene Dietrich sei es eine Ehre gewesen, vor den amerikanischen Soldaten aufzutreten, da sie diese als wichtigste Personen ihrer Zeit erachtet habe. Schramm  zufolge ist auch die Occupy-Bewegung eine wichtige Bewegung unserer Zeit, sodass es für ihn eine Ehre ist, auf der Demonstration zu sprechen.

Eine der treffendsten, tiefgründigsten Reden, die ich in der letzten Zeit gehört habe, stammt also von einem 63-jährigen Kabarettisten, der bekannt ist für Polemik und trockenen Humor. Oft werden in der Rede historische Vergleiche mit der Warnung „die Jungen unter Ihnen verstehen das vielleicht nicht“ gezogen. Und Georg Schramm hat Recht.

Wo bleibt die zornige Jugend, die Georg Schramm fordert, und wieso hört man von ihr keine bissigen Reden auf Occupy-Demos? Wie unlogisch, verdreht und absurd muss unser Finanzsystem eigentlich sein, dass es im Kabarett scheinbar am besten porträtiert wird?
In jedem Fall ist die Rede sehenswert und hier zu finden:

Teil 1
Teil 2

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Ein Kommentar zu “Georg Schramm bei Occupy Frankfurt

  1. Elvira sagt:

    Die Anstalt hat ihren besten Insassen entlassen, das habe ich sehr bedauert, auch wenn Pelzig langsam an Biss gewinnt. Leider ist es auch in diesem Fall wie überall im Leben: Die, die es angeht, glänzen durch Abwesenheit. Die, die sich immer engarieren, hören (Schramm) zu.

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